Interview mit Natascha Wiebking

Interview mit Natascha Wiebking

Während des German Wedding Blog Meet-ups bin ich in den Genuss gekommen Natascha Wiebking in ihrem Atelier im Münchener Westend zu besuchen. Dort fühlt man sich gleich wohl, da das Atelier sehr hell und einladend ist und Natascha sehr sympathisch ist. Von den wundervollen Kleidern aus Seide, Tüll und Spitze mal ganz zu schweigen. Ihre Kleider verkörpern Romantik und Leichtigkeit.

Am Wochenende haben wir von Natascha erfahren, wie ein Brautkleid eigentlich entsteht. Damit auch ihr diesen Prozess kennenlernen könnt, habe ich Natascha im Nachhinein ein paar Interviewfragen gesendet. Viel Spaß bei der Reise ins Land einer Brautkleid-Designerin.

 

 

Interview mit Natascha Wiebking

 

1. Woher nimmst du die Inspiration für deine Kleider?

Die Inspirationen kommen überall her: ich liebe Blumen und mag die zarten Formen und Farben ihrer Blütenblätter. Stoffe geben mir durch die Struktur und den „Fall“ Ideen für neue Kleider. Außerdem stöbere ich gerne in Antiquitätenläden, um mich von alten Fotografien, Vintage-Seidenblüten, antiken Broschen, Federn, filigranen Spitzen verzaubern zu lassen.

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2. Was steht am Anfang des Schaffensprozesses?

Zuerst entstehen die Form, die Silhouette und das Material – alles aus einer Sammlung an Ideen. Manchmal inspirieren mich aber auch Farben, die dann als kleine Accessoires oder als zarte Nuance in der Kollektion wiederzufinden sind.

 

3. Und wie geht es dann weiter?

Dann mache ich viele viele Skizzen, bis die Brautkleider sich so entwickeln, wie ich es mir vorstelle.

 

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4. Wie lange dauert der Prozess?

Der Prozess ist fortlaufend. Ich habe immer neue Ideen im Kopf, die darauf warten in die Tat umgesetzt zu werden. Ich muss also eher auswählen, aus welchen Ideen wirklich ein Brautkleid entstehen wird.

 

5. Hast du Stoffe mit denen du am liebsten arbeitest?

In unserem Atelier werden nur sehr hochwertige Materialien eingesetzt, die alle wunderschön sind. Die Brautkleider werden ausschließlich aus Seide und aus feiner Spitze genäht. Ich mag einfach die Vielfalt der Seidenstoffe. Es beginnt mit ganz leichtem zartem Chiffon, der meist in mehreren Lagen verarbeitet wird bis zu fest gewebten Duchesseseiden, die durch ihren Glanz sehr edel aussehen. Aber am liebsten verarbeite ich die Spitzen aus den französischen Manufakturen. Die meist floralen Elemente der Spitze lassen sich auch ausschneiden und so kombinieren, dass wieder etwas Neues entsteht.

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6. Du gibst deinen Kunden ja sehr viel Gestaltungsspielraum mit Accessoires wie Gürteln, Blüten etc. Werden mehr Kleider fertig wie sie sind verkauft oder mehr die noch mitgestaltet werden?

Im Grunde bieten wir zwei Richtungen an:

Die Brautkleider aus der Kollektion, die so gekauft werden, wie ich sie entworfen habe und die schlichten schönen Brautkleider in klassischen Formen. Hier bieten wir den Kundinnen Vorschläge für ihre individuelle Gestaltung an. So kann jedes Brautkleid zum Beispiel durch einen farbigen Seidengürtel ein Unikat werden.

 

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7. Welche Trends siehst du aktuell im Bereich der Brautmode?

Vintage wird weiter bleiben, vor allem mit viel Spitze und anderen wertvollen Materialien, zu sehen bei den Modellen Marlène, Mirabelle und Julie. Mir gefallen besonders die Elemente aus den 20er Jahren mit tiefer Taille und wunderschönen Fascintors mit Broschen und Federn. Oder eine lange Perlenkette lässig geknotet zum eleganten Kleid.

Dann gibt es den Trend zum tiefen Rückenausschnitt, den ich bei den Modellen Kate und Milene umgesetzt habe.

Als dritte Richtung sehe ich einen eher modernen, unkonventionellen Stil mit neuen Farben und Materialien. Ich schätze, dieser Trend braucht noch etwas mehr Zeit, um sich zu entwickeln.

 

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8. Welches Kleid ist dein Favorit?

In diesem Jahr fällt mir die Entscheidung nicht leicht:

Brautkleid Milene aus belgischer Spitze, mit tiefem Rückenausschnitt und kleiner Schleife sieht einfach elegant und bezaubernd aus.

Für das Hochzeitskleid Summer habe ich zur gleichen Spitze einen weiten Tüllrock mit kleinen Punkten kombiniert, die sich in der Spitze neben den kleinen Blüten wiederholden. Hier gefällt mir besonders die Leichtigkeit und Verspieltheit des Modells.

Und bei Modell Coco mit Neckholder und großer Schleife am Hals mag ich den Vintagestil. Brautkleid und Fascinator sind perfekt aufeinander abgestimmt und die Braut sieht großartig aus… ich kann mich nicht entscheiden!

Daher empfehle ich jeder Braut, auf ihre innere Stimme zu hören und sich für das Brautkleid zu entscheiden, in dem sie sich sofort wohlfühlt und das zu ihrem Stil und ihrer Persönlichkeit passt.

Vielen Dank Natascha für das Interview und den Einblick in deinen Kreativitätsprozess! Ich kann es gar nicht erwarten, noch viele wunderschöne Kleider von dir zu sehen!

 

Fotos: Birgit Hart

Blumen: Petra Müller Blumen

Brautkleider: Natascha Wiebking